Sengsengebirgsüberschreitung – Der Klassiker

Die Überschreitung des Sengsengebirges ist der Klassiker im Oberösterreichischen Bezirk Kirchdorf an der Krems. Dabei überquert man die wichtigsten Gipfel des Gebirgszugs von Klaus bis Windischgarsten. Die Tour ist entweder als entspannte Zweitagestour mit Übernachtung im Uwe-Anderle-Biwak (Hochsengsbiwak) oder als konditionsraubende Eintagestour machbar. Die härteste Option ist schließlich die Rundweg-Variante. Im folgenden Beitrag wird die normale Überschreitung von Klaus beschrieben.

Wichtig im Sengsengebirge: Es gibt unterwegs keine Möglichkeit den Wasservorrat aufzufüllen. Deshalb immer genügend Wasser im Gepäck mitnehmen – auch weil es an schönen Tagen zwischen den Latschen sehr heiß werden kann. Bei der Überschreitung ist es Ratsam, mit zwei Autos anzureisen und eines zuvor zum Parkplatz Teufelskirche/Jagdhütte Rettenbach zu stellen. Dann erspart man sich die „Wanderung“ zum Bahnhof und das Zugticket zurück nach Klaus.

Gestartet wird die Überquerung in Klaus am Parkplatz beim Freizeitzentrum am Stausee. Dann geht es der Straße folgend noch ein kleines Stück weiter bis der Steig Nr 465 in den Wald abzweigt. Es geht gleich eher steil Richtung ersten Gipfel – dem Spering.

Nationalpark Kalkalpen

Immer wieder quert und geht man kurz auf der Forststraße bis man zur Abzweigung zum Spering hinauf kommt. Links geht es zur Funkstation – dort werden wir später noch vorbeikommen. Erstmal folgen wir aber dem serpentinenartigen Pfad am Nordhang bis wir den Kamm erreichen und diesen Richtung Gipfelkreuz entlangmarschieren. Der Spering auf 1605 m ist der erste Gipfel auf unserer Tour.

Es geht wieder hinunter zur Forststraße und diesmal Richtung Funkstation. Hier beginnt der Höhenweg Sengsengebirge (Nr 469), der sich als stetiger Begleiter dieser Tour hervorhebt. Er führt über die wichtigsten Berge des Sengsengebirges direkt zum Hohen Nock. Das Wetter wird mittlerweile ein wenig schlechter, wir entschließen uns aber die Überschreitung durchzuziehen, solange es nicht regnet.

Funkstation

Von der Funkstation geht es weiter über den mit Latschen bewachsenen Bergrücken. Immer wieder bergauf und manchmal bergab zum zweiten Gipfel: Dem Schillereck auf 1.748 m. Auf diesem hat man eine wunderbare Rundumsicht zurück zum Spering, ins Kremstal, und den umliegenden Gebirgsketten wie dem Tote Gebirge oder den Haller Mauern.

Der Höhenweg führt weiter durch die bekannten Latschenwälder zum Hochsengs. Ab diesem Zeitpunkt sollte das wiederkehrende Thema dieser Tour klar sein: Viele Latschen, geniale Aussicht, immer wieder bergauf und bergab und von Gipfel zu Gipfel. Nach ein paar Hundert Höhenmetern Unterschied erreicht man den Hochsengs auf 1.838 m Höhe und damit den letzten Gipfel der ersten Etappe.

Hochsengs

Wirft man einen Blick nach unten, erkennt man schon das Uwe-Anderle Biwak – den heutigen Schlafplatz. Der Abstieg vom Hochsengs ist teilweise mit Stahlseilen versichert und Trittsicherheit ist erforderlich. Es handelt sich dabei aber um keine allzu schwierigen Stellen. Am Fuße der Felsplatten führt der Weg direkt zum Uwe-Anderle-Biwak auf 1.583 m. In unseren Fall ist hier für den ersten Tag Endstation.

Wir entschließen uns, zum Sonnenuntergang noch einen Abstecher auf den nächsten Gipfel – den Gamskogel – zu machen. Von oben hat man einen viel besseren Ausblick auf die untergehende Sonne. Das Uwe-Anderle-Biwak ist recht spartanisch eingerichtet, aber man findet dort alles, was man für eine Nacht im Gebirge braucht. Eine Vorreservierung ist nicht erforderlich und es sind ca. 10 Schlafplätze verfügbar. Soweit man das aus dem Gästebuch beurteilen kann, sollte es eigentlich nie wirklich zu voll sein. Wir lassen den Abend bei einem Bier und einer Partie Schnapsen ausklingen. Auch das Wetter wird wieder besser und der nächste Tag verspricht viel Sonne.

Am nächsten Tag brechen wir zeitig auf und frühstücken am Gamskogel. Der Aufstieg ist kurz genug, um ihn auch mit leerem Magen zu schaffen. Gegenüber der Luckerten Mauer geht der einzige Fluchtweg zurück, über den man die Tour ungefähr bei der Hälfte abbrechen kann. Der Weg zurück führt teils weglos (aber gut erkennbar) zurück nach St. Pankraz. Falls es zu einem unerwarteten Wetterumschwung kommt, wäre dies eine passable Exit-Strategie. Für uns geht es aber im Laufschritt weiter auf den Gamskogel, den immerhin knurrt der Magen.

Totes Gebirge

Vom kleinen, unscheinbaren Gipfelkreuz hat man einen schönen Ausblick aufs Tote Gebirge und kann sich die bevorstehende Strecke anschauen. Nach dem Gipfelfrühstück geht es weiter Richtung Rohrauer Größtenberg: Immer zwischen Latschengasse und wieder bergab. Zwischendurch wird es etwas felsig und steiniger und es gibt eindrucksvolle Bilder von den steil abfallenden Sengsengebirgs-Nordwänden.

Etwa drei Kilometer und 100 Höhenmeter später erreicht man das Gipfelkreuz (oder eher den Gipfel-Wegweiser) des Rohrauer Größtenbergs auf 1.810 Metern. In der Ferne sieht man den finalen Gipfel – den Hohen Nock schon – aber bis man wirklich dort ist, ist es noch ein weiter Weg. Nach einem unangenehmen, sehr steilen und mit losem Schotter/Steinen ausgelegten Abstieg gibt es auch noch ein paar heftigere Steigungen am Weg. Das stetige Auf und Ab zehrt an den Kräften.

Der letzte Anstieg zum Gipfelplateau des Hohen Nocks geht über einen steilen, mit Gras bewachsenen Hang. Dann ist das Schlimmste geschafft und der Pfad führt uns noch über einige Grasfelder Richtung Gipfelkreuz.

Die Motivation kommt spätestens zurück, wenn man das Gipfelkreuz auf 1.963 Metern sieht. Dass der Hohe Nock der beliebteste Gipfel im Sengsengebirge ist, merkt man sofort daran, dass man oben selten allein ist. Vor allem nicht an einem so schönen Tag wie diesem. Am Gipfelplateau des Hohen Nocks genießen wir bei einer längeren Pause die umwerfende Aussicht.

Ab hier geht es nur noch Bergab. Außer man entscheidet sich noch für einen Abstecher auf die Seehagelmauer, den Hagler oder die Gamsplan. Wir entschließen uns jedoch direkt ins Tal zum Parkplatz abzusteigen. Es geht hinunter über eine kurze felsige Kletterstelle und dann in einer Runde immer entlang der Markierungen hinunter. Vorbei am Merkensteinbründl, wo man mit etwas Glück Flüssigkeit tanken kann. Der Budergrabensteig führt direkt bis zum Parkplatz beim Jagdhaus Rettenbach.

Auch wenn die Füße schon Müde sind sollte man den Abstieg noch einmal so richtig genießen. Die Natur ist vor allem im Sommer wunderschön.

Insgesamt ist die Tour ungefähr 26 Kilometer lang und man legt 2.500 Höhenmeter zurück. Vor allem wenn man die Sengsengebirgsüberschreitung stressfrei auf zwei Tage aufteilt, ist es eine wunderschöne, einsame und entspannte Bergtour abseits der vielfrequentierten Wanderrouten.

 

Die Wanderung im Überblick

Gehzeit: 10 – 15 Stunden (je nach Geschwindigkeit)
Höhenunterschied: ca. 2500 Höhenmeter
Hinweise: Genügend Wasser mitnehmen – keine Einkehrmöglichkeit entlang der Strecke.
GPX-Datei: Download

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