Freeriden: 6 Tipps für Sicherheit und Spaß im alpinen Gelände

Das Schifahren abseits der Piste wird immer populärer, dementsprechend sieht man in den letzten Jahren verstärkt Schi- und Snowboardfahrer Off-Piste. Doch der richtige Umgang mit dem Thema alpine Sicherheit will gelernt sein.

Mitte November war ich auf Einladung der Tirol Werbung und dem Stubaier Gletscher in Innsbruck auf der Alpinmesse, um das Thema theoretisch aufzuarbeiten. Im Rahmen der Messe bekommt man nicht nur einen Überblick über aktuelle Entwicklungen was Material und Ausrüstung, sondern auch die Chance in zahlreichen Workshops und Vorträgen das richtige Verhalten und relevantes Wissen über die Sicherheit am Berg zu lernen. Am nächsten Tag war dann Spaß angesagt, es ging ins Stubaital und am Stubaier Gletscher.

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Unter den anderen Gletscherschigebieten in Tirol ist der Stubaier Gletscher vor allem wegen den umfangreichen Freeride-Angeboten bekannt, die unter dem Namen „Powder Department“ zusammengefasst sind. Auf einer eigenen Off-Piste-Map werden 15 gut beschriebene Freeride-Routen inklusive GPS-Tracks fürs Smartphone vorgeschlagen . Zwei Info-Stationen mit LVS-Check, Lawinenwarnstufe, Wetter und Hinweisen erleichtern die Vorbereitung auf ein sicheres Freeride-Erlebnis. Apropos Wetter, dank Schneefall am Vormittag, 30 cm Neuschnee und Sonne ab Mittag hatten wir ideale Verhältnisse für sensationelle Powder-Erlebnisse. Zusammen mit Freeride-Pro Stefan Häusl ging es nach der Vorbereitung am ersten Tag dann die neu-verschneiten Hänge im Tiefschnee den Berg hinunter. Besser könnte der Saison-Start nicht laufen.

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Beste Freerider, ever! 😉

Damit das Freeride-Vergnügen auch wirklich ein tolles Erlebnis wird und nicht böse endet, hier 6 Tipps für ein sicheres Verhalten im alpinen Gelände:

1.) Wettervorhersage und Lawinenwarnstufe

Bereits einige Tage vor der geplanten Tour das Wetter im Auge behalten. Ich vertraue dabei immer auf die österreichischen Wetterdienste und lokalen Vorhersagen. Was das Wetter betrifft hatte Stefan noch einen interessanten Tipp: Der Internetwetterdienst yr.no, der vom Norwegischen Meteorologischen Institut  betrieben wird und relativ genaue Vorhersagen für Orte auf der ganzen Welt bietet. Neben dem Wetter ist auch die Lawinenwarnstufe für das betroffene Gebiet wichtig. Eine Übersicht für alle österreichischen Bundesländer gibt es unter lawinen.at, Tipps zum richtigen Einschätzen des Risikos gibt es hier. Wettervorhersage und Lawinenbericht zusätzlich noch am gleichen Tag vor dem Start checken, damit man nicht unerwartet kurzfristigen Änderungen am Berg ausgesetzt ist. Der Lawinenbericht wird im Winter täglich um 7:30 aktualisiert.

Wie immer gilt ebenfalls: Hausverstand beachten. Sollten Warntafel und Sperrungen wegen Lawinengefahr aufgestellt sein, muss man sich auch daran halten. Grundlos werden diese nicht aufgestellt. Am Stubaier Gletscher und anderen Schigebieten gibt es darüber hinaus noch Info-Stationen, die mit aktuellen Sicherheitshinweisen versorgen.

Info-Tafel am Stubaier Gletscher inklusive Lawinenwarnstufe und Freeride-Routen
Info-Tafel am Stubaier Gletscher inklusive LVS-Check, Lawinenwarnstufe und Freeride-Routen

2.) Grundausrüstung überprüfen

LVS-Gerät, Sonde, Schaufel. Ohne diese drei Sachen im Gepäck hat niemand etwas abseits der gesicherten Pisten verloren. Wer das Smartphone nicht sowieso zur Lebens-Grundausstattung zählt, sollte dieses inklusive gespeicherter Notrufnummer ebenfalls dabei haben. Zusätzlich setzen immer mehr Freerider auf einen ABS-Lawinenairbag am Rucksack, der im Falle einer Lawine, die Person an der Oberfläche hält und dadurch die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht. Wer kein eigenes Equipment besitzt, kann dieses genauso wie die Skiausrüstung einfach mieten. Für mehrmalige Einsätze ist jedoch eine eigene Ausrüstung, die man wie seine Westentasche kennt, unverzichtbar …

3.) Umgang mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel (regelmäßig) üben

… denn der Umgang mit dem LVS-Gerät und Sonde will geübt sein. Es bringt nichts, wenn der Verschüttete ein LVS-Gerät bei sich trägt und die helfenden Personen nicht wissen, wie man das Gerät überhaupt bedient. Das beste und teuerste Equipment ist wertlos, wenn man nicht weiß, wie man damit umgeht. Im Ernstfall muss es nämlich richtig schnell gehen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist nur in den ersten 15 Minuten relativ hoch. Danach sinkt sie rapide, weswegen der Umgang mit dem Equipment besser gut geübt ist.

Für den sicheren Umgang mit der Grundausrüstung gibt es regelmäßig Schulungen und Trainings, die oft sogar kostenlos sind. Eine besonders interessante Initiative sind die SAAC Camps, die zwei Tage dauern, ebenfalls kostenlos sind und eine umfangreichere Ausbildung bieten.

4.) Nie alleine!

Freeride-Grundregel Nummer 1: Niemals sollte man auf die Idee kommen, alleine abseits der Pisten zu fahren. Die beste Ausrüstung bringt nichts, wenn du von einer Lawine erfasst wirst und niemand nach dir sucht oder keiner Hilfe holt. Übrigens: Auch zu große Gruppen sind ungeeignet. Dadurch steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass Schneebretter ausgelöst werden.

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5.) LVS-Gerät überprüfen

Vor dem Start unbedingt die LVS-Geräte auf ihre Funktionalität überprüft werden. Die Vorgangsweise wird hier erklärt. Falls das Schigebiet, so wie am Stubaier Gletscher, einen LVS-Check-Station bietet, am besten diese verwenden. Neben dem Check sollte man auch vor jeder Saison (regelmäßig) die Batterien im Gerät wechseln, weil die Sende-/Empfangsleistung mit schwacher Batterieladung deutlich abnimmt.

Das LVS-Gerät nie im Rucksack, sondern immer direkt am Körper anbringen. Wer es im Vorderkörper/Brust-Bereich umschnallt sollte darauf achten, sein Smartphone nicht in der Jacken-Brusttasche zu verstauen und auch keine GoPro mit Brustgurt umgeschnallt zu haben. Diese können unter Umständen zu einer verringerten Sendeleistung führen.

6.) Im Zweifelsfall: Lieber einmal weniger als mehr

Egal welchen Punkt dieser Liste man betrachtet, im Zweifelsfall gilt immer: Lieber eine Tour weniger als einmal zu viel. Ist man von einem Hang oder der Situation nicht 100% überzeugt, lieber nach Alternativen suchen. Auch nicht durch Gruppendynamik in die Situation drängen lassen. Wenn jedoch alle Zeichen auf grün stehen, steht dem Powder-Vergnügen nichts mehr im Wege.

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